Missverständnis Glühbirne

– Fehldeutung einer Erfindung

Als Australien zu Beginn des Klimawandel-Jahrs 2007 die Glühbirne verboten hat, dachte sich der Rest der Welt: „Ich glaub‘ wohl, es hackt!“ Die Idee kam allen unglaublich absurd vor. Hatte Thomas Alva Edison vor langer Zeit durch dieses simple, aber geniale Teil Licht ins Dunkel gebracht, elektrische Beleuchtung für Jedermann erschwinglich gemacht, müssen es die Australier verbannen – zu viel Strom würden sie verbrauchen, bei zu geringer Lichtausbeute.

Unfug, meinen Wissenschaftler weltweit, allen voran die des renommierten Zentrums für anspruchslose Wissenschaft (ZAW). Die Glühbirne sei ein hervorragender Wärmestrahler, das sei nicht zu leugnen, und das wolle man auch nicht. Es sei vom Erfinder und der daraus bis heute gewachsenen Industrie durchaus gewollt, dass über 95 Prozent der verbrauchten Energie als Wärme freigesetzt würden, denn die Glühbirne sei in erster Linie ein elektrisches Heizelement, das bis heute nichts seines Innovationsgehalts verloren hat.

Rechts der monströse Heizlüfter. Links eine Glühbirne, kaum zu erkennen.
Rechts der monströse Heizlüfter. Links eine Glühbirne, kaum zu erkennen.

Bei genauerer Betrachtung durchaus logisch: Die Glühbirne ist äußerst kompakt. Im Vergleich zu einem Heizlüfter ist eine Glühbirne mikroskopisch klein – im Zuge der Miniaturisierung ist es daher nur verwunderlich, warum klobige Heizgeräte immer noch mit uns um die wenigen Quadratmeter der sowieso meist viel zu kleinen Badezimmer konkurrieren.

Zu der Annahme, die Glühbirne sei ein Leuchtmittel, kam man während der Industrialisierung. Hier machte sich der Begriff Glühlampe breit, weil der kugelige Kompaktheizkörper im Betrieb leuchtete. Auch wurde es aufgrund der damals aufkommenden Unfallverhütungsvorschriften notwendig, die Glühbirnen an der Decke zu montieren, nicht auf dem Boden. Doch dabei staute sich die Wärme ungenutzt unter den Raumdecken und konnte nur schlecht zum Heizen genutzt werden – zusätzliche Heizgeräte wurden benötigt.Ein weiteres Problem in unserer stets auf Innovation und Fortschritt bedachten Gesellschaft ist die Form der Glühbirne. Mal ehrlich: Eine luftleere Glaskugel mit einem Stück Draht soll innovativ sein? Ohne Sondermüll, ohne aufwändige Transportkette durch hunderte fernöstliche Länder?

So intelligent und bahnbrechend die Glühbirne bis heute sein mag, so schnell wird sie auch ohne Verbot aus den Supermarktregalen verschwinden. Sie ist einfach ‚out‘.

Links: Schema energiesparlampenähnlicher Heizeinsatz für handelsübliche Fassungen. Rechts: Heizeinsatz und E-Sparlampe im Vergleich - verblüffende Ähnlichkeit!
Links: Schema energiesparlampenähnlicher Heizeinsatz für handelsübliche Fassungen. Rechts: Heizeinsatz und E-Sparlampe im Vergleich – verblüffende Ähnlichkeit!

Das ZAW hat sich mit zwei großen Glühbirnen-Herstellern eine Lösung einfallen lassen: Die Glühbirne in Form einer Energiesparlampe. Das Prinzip ist so einfach wie genial: Der Schraubsockel ist der selbe wie bei einer herkömmlichen Glühbirne. Auf ihm sitzt allerdings ein Kunststoffgehäuse, gefüllt mit ein paar Gramm Quecksilber, Kadmium und Arsen (dies ist nötig, um diese Erfindung auch für Müllsünder attraktiv zu machen). Darauf wiederum sitzt ein langes, gefaltetes Glasrohr, im Innern luftleer und mit einem lang gestreckten Glühdraht bestückt.

Das Prinzip der vorerst ‚energiesparlampenähnlicher Heizeinsatz für handelsübliche Fassungen‘ genannten Erfindung vereint die Vorteile der Glühbirne mit dem neuen Gesicht der Energiesparlampe, die wegen ihrer miserablen Wärmeausbeute aber kaum zum Heizen nutzbar ist.