Alles nur Satire!
Iiiih - mach's tot!

 



Weihnacht im Krankenhaus


Anno sechszehn/sechsundvierzig war's, in einer kalten Nacht,
als ein Papst mit Namen Gregor sich den Unfug ausgedacht,
der uns jährlich im Dezember mit Geschenken überschüttet
und im Zug der Nächstenliebe uns're Konten stark zerrüttet.
Doch was soll's, wir haben Übung, pfeifen auf des Kontos Trübung,
Geiz ist heutzutag' verpönt, dazu ist man auch verwöhnt.
Und so kommt's zu keiner Ehrung für das kleine Christuskind,
alle schaun auf die Bescherung und wie groß die Gaben sind.

Sehr riskant und eigenwillig - sagt die Werbeindustrie -
war die Niederkunft Marias, in dem Stalle bei dem Vieh.
Wo sie ohne jeden Sponsor alles hat allein vollbracht,
ohne Barmer Krankenkasse nur in einer halben Nacht.
Ohne Creme von Penaten, Pampers oder Quark von Voss
wurde dieser kleine Bengel groß und kräftig wie sein Boss.

Zu der Zeit, als das geschah, jedermann zum Himmel sah,
wo ein Schweifstern ohne Eile, ohne TÜV auf seine Teile,
ruhig seine Bahnen zog und die "Allianz" betrog.
Denn nach heutigen Gesetzen könnte so ein Ding verletzen.
Haftpflicht wär in Deutschland nötig zur Erlaubnis für den Flug,
ASU, TÜV und Flugbehörde wären erst einmal am Zug.
So gibts heute keinen Schweifstern, mancher Ängstliche ist froh,
dafür fliegt die US Airways - manchmal direkt ins Büro.

"Sind die Lichtlein angezündet...", kommt auch schon die Feuerwehr,
die Gardienen steh'n in Flammen und den Baum, den gibts nicht mehr.
Wasser sickert durch die Decke, macht sich in der Wohnung breit,
Opa hört auch ohne Ohrwurm wie der Unter-Mieter schreit.
Oma ist noch ganz benommen, weil der Schnaps ihr nicht bekommen,
den sie vor Papa versteckt, der in seinem Weihnachtsdusel das Dilemma ausgeheckt.

"Ihr Kin-der-lein kom-met...", "Da sind wir ja schon!"
Mit Blaulicht und Tute zur Rettungsstation.
Und die Kräfte dieser Stiftung kümmern sich um Rauchvergiftung,
um des Papas Weihnachtsdusel, der vom schnöden Aldi-Fusel.
Alle stinken wie die Penner - halt, heut heißt es "Räuchermänner"!
Opa hustet noch recht toll, Paulchen hat die Hosen voll;
Die Mama am Sauerstoff, hat mit einer Schwester Zoff:
sie nahm völlig ohne Grund, ihr die Kippe aus dem Mund.

Auf den Gängen singt ein Chor, bringt ein Weihnachtslied hervor.
"Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum..." - und aus einem Nebenraum
hört man lästiges Geklirr, offenbar vom Nachtgeschirr.
Ruh'n wir also ein paar Tage aus, von dieser Weihnachtsplage.
Lasst die Krankenkasse zahlen, uns in weißen Laken aalen,
fern der Sorgen um die Wohnung gibt man uns erst einmal Schonung.
Niemand hört Papas Geläster: "Na, uns bleibt ja noch Silvester!"


Idee & Text: Jürgen Menzel

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