Alles nur Satire!
Iiiih - mach's tot!

 



Die Traumhochzeit


Zitternd sitz ich in der Ecke, habe Angst vorm Hochzeitsfest,
dazu gibt mir die Verwandtschaft guten Rat und auch den Rest.
Keiner kann wohl je erahnen, wie die Seele in mir kocht,
wie die Spannung unerträglich auf die gleiche Stelle pocht.
"Mann, wie soll das mit mir enden?", denk ich noch, dann kipp ich um.
Eine Ohnmacht legt mir schützend ihren dunklen Mantel drum.

Plötzlich ist die Welt ganz anders - leicht und lustig, so geht’s auch!
Ringsherum nur bunte Lichter, fremde Stimmen und viel Rauch.
Davon sagt mir doch die eine: "Freue Dich, Du bist zu Haus!
Heut ist Hochzeit, mach Dich fertig!" und dann geht’s zur Straße raus.
Überall steh'n schiefe Häuser, so wie die von Feuerstein
und vom Himmel regnet's Münzen, doch die sammelt keiner ein.

"Ja, nun brauch ich noch ein Brautkleid!", sag ich zu der guten Fee.
"Mit 'ner riesenlangen Schleppe und so grün wie Erdbeerschnee!"
"Aber nein!", sagt sie beleidigt, "So was sieht man hier nicht gern,
denn des Kaisers neue Kleider sind bei uns zur Zeit modern!"
"Oder eine Gurkentonne, mit 'nem Hosenträger dran!"
"Komm, wir gehen in den Laden, sehen uns die Sachen an!"

Von des Kaisers neuen Kleidern hatte ich bereits gehört,
und war über diesen Vorschlag außerordentlich empört!
Also gab's 'ne Gurkentonne mit 'ner Schleppe aus Damast,
Gummistiefel, Hosenträger wurden mir dazu verpasst.
"Liebste, Du bist wirklich chic und es macht Dich nicht mal dick!",
sprach die Fee, zu mir gebeugt. Doch mich hat's nicht überzeugt.

Was ist mit der Hochzeitskutsche? Da ist doch etwas verkehrt!
Links ein grünes, rechts ein blaues, und voran ein gelbes Pferd.
"Nee, ihr wollt mich wohl veräppeln! Was wird wohl mein Partner sagen?
Wo er doch berufsverwöhnt, von diversen Luxuswagen!"
"Rein mit Dir und nicht gemurrt!" "Nur damit sich niemand wundert!"
Schnell den Gurt noch festgezurrt. "Unser Kutscher fährt gern Hundert!"

Vor der Kirche bremst der Wagen, so, dass alle Räder glühn'n,
und ich merke wie die Gurte fest an meinen Schultern zieh'n.
Nun entsteig ich der Kalesche, geh zur Kirche, Schritt für Schritt,
nur die dicke Brautkleidtonne will noch nicht so richtig mit.
Vorm Portal der Pfarrer wartet, mit 'ner großen Schüssel Reis,
schön garniert mit Hühnerbeinchen, in der Mitte steckt der Preis.

Plötzlich dröhnt vom Turmgebäude das bestellte Festgeläute.
Nur die Art, wie es erzeugt, wird von mir recht scheel beäugt.
Oben, bei dem Wetterhahn, knüpft man lange Stricke an.
Daran wird mit Kraft gezogen und der ganze Turm gebogen.
Nicht der Klöppel wird bewegt, der sodann den Ton erregt;
nein, es schwingt das Kirchgebäude, schaukelt somit das Geläute!

Kleine Pannen soll's im Leben hin und wieder einmal geben.
Peinlich ist's, bestellt man Misteln und erhält dann Silberdisteln.
Doch zu meiner Gurkentonne, sage einer was er will,
neh'm ich gerne und mit Wonne einen Brautstrauß, nur aus Dill.
Vor mir fahren Blumenkinder mit dem Roller schnell voraus,
streuen mit den kleinen Händen Bohnenkraut und Lorbeer aus.

Nach Minuten der Erstarrung macht's in meinem Kopfe "klick"
Und ich kehre aus den Träumen in die Wirklichkeit zurück.
Dill und Bohnenkrautgerüche kommen jetzt aus uns'rer Küche.
Die da toben mit dem Roller, sind die eignen Kinderlein.
Und mein Mann dröhnt wie 'ne Glocke, weil der Hund nicht stubenrein.
Also bin ich, stell ich fest, aufgewacht im eignen Nest.

Und das Fazit meiner Trübung: Träume sind am Ende schlüssig.
Hochzeit ist 'ne schöne Übung, nur der Stress ist überflüssig!
Werft die Gläser an die Wand, esst euch alle richtig satt.
Läutet Glocken übers Land, bis der Tinnitus uns hat.
Liebe Gäste, darum feiert, bis die ganze Hütte bebt,
mich kann heut nichts mehr erschüttern, hab das alles schon erlebt!


Idee & Text: Jürgen Menzel

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