Alles nur Satire!
Iiiih - mach's tot!

 

Sie sind schön, aber erbarmungslos. Sie sind poetisch, aber bissig. Die Ergüsse eines ganz besonders kritischen Dichters. Lesen Sie hier eine ganze Menge:



Das Telefon


"Sag mal, Leo, warst Du jener Schuft,
der mich neulich Abends hat angeruft?"
Der Wecker zeigte so gegen halb Zehn;
ich hatt' schon beschlossen zu Bette zu gehn.
Das Telefon schrillt, doch eh' ich im Lot,
den Hörer zum Ohr - die Leitung war tot!

So bin ich dann wieder zu Bette gestiegen,
die Müdigkeit war meines Tagewerks Lohn,
doch kam ich gar nicht so richtig zum Liegen
da klingelt schon wieder das Telefon!
Nun sprang ich erneut vom Bette - behände -
durcheilte den Raum mit hastigen Schritt,
fiel über den Hund, der im Körbchen schon pennte
und riss mit dem Tischtuch das Telefon mit.

Ich kam schnell zu Boden, und nicht grade sachte;
den Hörer am Ohr, der Hund biss ins Bein,
doch eh' ich 'ne förmliche Meldung machte,
hängte der Andere den Fernsprecher ein.
Um weitere Wege im Dunkeln zu sparen,
der Hund hing mir immer noch schmerzlich am Bein,
und um das Hausinventar zu bewahren
fiel mir dann eine Patentlösung ein!

Ich zog vom Gerät den elektrischen Faden,
der von der Telekom zu lang bemessen,
rüber zu meinem Nachttischschubladen
aus dem ich bisher nur Bonbons gegessen.
So lag ich nun wach zu nächtlicher Stunde,
das Klingeln blieb weg, kein einziger Ton;
bereit zu empfangen des Anrufers Kunde,
das Telefon schwieg, ich spürte den Hohn!

Die Turmuhr schlug zwölfe, es geistert im Ort,
der Sandmann kam endlich, ein Traum trug mich fort.
Ich wollt mit dem Teufel ein "R"-Gespräch führen,
doch statt laut zu klingeln tat's nur explodieren.
Im Schweiße gebadet wurde ich wach,
das Telefon schwieg, nur im Traum gab's den Krach.

In Panik sind dann meine Nerven zerrissen,
ich drehte voll durch, vom Wahnsinn gehetzt,
hab's Telefon gegen den Spiegel geschmissen,
den Rest meiner Wohnung in Brand gesetzt.
Der Spiegel zerbricht, der Hund sucht das Weite,
die Flammen züngeln am Holze empor,
gejagt von des Teufels reitender Meute
zerhackte ich auch noch ein Hauptwasserrohr!

"Du Dämon, was wagst Du mich anzustieren!"
schreie ich laut in die Sturmnacht hinaus,
"Du solltest mich lieber mal anrufonieren!",
dann trugen mich Engel mit Stahlhelmen raus.
Und wenn's noch mal klingelt, dann lässt mich das kalt,
ich bin jetzt Insasse der Irrenanstalt!


Bisher sind an dieser Stelle erschienen:

Das Eigenheim, Weihnacht im Krankenhaus, Der Rettungsflug, Die Traumhochzeit, Die Kellerspinne, Die Jagdgesellschaft, Das Begräbnis, Der Boxkampf, Die Kunstausstellung, Formel 1 anno 1950


Idee & Text: Jürgen Menzel

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