Sehr geehrtes Publikum, ich bin Schmitt und führ Sie rum.
Durch Gemäldegalerie, - alte Meister, neue Meister -
Und die Kunst der Industrie und den ganzen andren Kleister.
Spucken Sie nicht an die Wände, nun - die Kinder an die Hände.
Jetzt geht’s los im Schweinetrab, Zeit ist Geld und Geld ist knapp.
In dem Flügel links, dahinten, wir die alten Meister finden.
Der Madonna, die da bittet, haben wir mit sehr viel Geld
Ihre Ritze zugekittet, die sie jahrelang entstellt.
Auch die Brust ist jetzt gerichtet, schaun Sie mal, sie schielt nicht mehr,
Zweiundzwanzigtausend Märker nahm der Künstler als Salär.
Mancher denkt wohl jetzt im Stillen, schade um das schöne Geld,
Hätte ich’s in meiner Tasche, gäbs kein Elend auf der Welt.
Doch bei ehrlicher Betrachtung ihres eigenen Gesichts,
Kommt so mancher zur Erkenntnis, Geld - das hilft hier leider nichts.
Sie, der Dicke da in Loden, machen sie die Kippe aus,
Rauchen ist hier streng verboten und jetzt weiter geradeaus.
Hier zur Linken in dem Rahmen, der vor Golde nur so protzt,
Sehen Sie die Jungfer Lene, wie sie grad ins Tüchlein rotzt.
Zu der Zeit, die doch recht bitter, wartete die Edelfrau,
Auf den ausgezognen Ritter, der zurückkehrt in den Bau.
Nein, nicht so wie Sie das dachten, in der zweiten Reihe links,
Früher konnten Frauen schmachten, hatten auch kein Gummidings.
Auf dem Bilde gegenüber sehn Sie König Wackerstein,
Der zu seiner eignen Krönung, stockbesoffen wie ein Schwein.
Er, nun fest zum Herrn erkoren, später jede Schlacht verloren,
Litt in seiner tiefsten Brust,
Konnt es niemals nicht verwinden - seiner Männlichkeit Verlust.
Und so gehen wir jetzt weiter durch jahrhundert alten Mief.
Die Toiletten sind am Eingang, gehn Sie schnell, sonst geht was schief.
Kommen wir nun in die Werkstatt, wo man kräftig Steine haut,
Und von diesen und auch jenen öfter mal Ideen klaut.
Eine schöne nackte Venus, haben wir schon in Athen,
Doch die hiesige Behaune ist besonders nackt zu sehn.
Denn hier hat der junge Künstler ganz besonders tief gehaun,
Und so können wir voll Ehrfurcht in die Eingeweide schaun.
Und da drüben in der Ecke, wo die Töpferscheibe schnurrt,
Sitzt beim Schein der Ökolampe unser Künstler Namens Kurt.
Heute formt er ohne Hände, nur mit seiner Säufernase,
Diese hauchzart feinen Wände einer kleinen Bodenvase.
Keine Angst, er hat ja Hände - groß und kräftig von Gestalt,
Doch er will sie nicht gebrauchen, heut ist ihm der Ton zu kalt!
Gehn wir rüber zu der Wand, wo die Klöppel in der Hand.
Eins, zwo, drei sind sie verfitzt, wehe wenn’s nicht richtig sitzt!
Erst vor etwa vierzehn Tagen kam es hier zum Supergau,
Weil die Hände fest verknotet, half die Feuerwehr der Frau.
"Finger weg!", du freche Zwecke. Schließlich geht es hier um Kunst,
Und nicht um Kartoffelsäcke. "Wehe, wenn du was verhunzt!"
Nun hätt ich die Künstlerschmiede Ihnen gerne mal gezeigt,
Doch das ist zurzeit nicht möglich, denn der Lehrling hats vergeigt.
Was der Meister vormals schuf, ruiniert nun seinen Ruf.
Aus dem stahlgebognen Engel hat doch dieser freche Bengel,
Vorsätzlich und mit Bedacht einen Gartenzwerg gemacht.
Tief im Holze schnitzt das Messer, komm'se ran, da sehn se besser!
Der hier macht grad voller Stolz "Cäsar" - oder Ofenholz.
Gestern war er nicht gut drauf, schnitzte Späne nur zuhauf,
Schnitt sich zweimal in die Finger, packte plötzlich seine Dinger,
Gab's dem Heizer in den Arm - und dann war die Bude warm.
Und am Ende dieser Führung bitte ich um Seelenrührung,
So das jeder etwas spendet; für die Kunst wird es verwendet.
Jeder sah mit eignen Augen, dass die Werke hier nichts taugen.
Und damit sich dieses ändert, gem 'se Münzen, rund, gerändert.
Aber bitte nur vom Neuen und dann könn'se sich zerstreuen!
Tun se's rein in meine Pranke, und nun Tschüs und nochmals Danke!