Alles nur Satire!
Iiiih - mach's tot!

Klonen ist gefährlich
Es ist Sonntag. Ich gehe gemütlich im Park spazieren, da begegne ich plötzlich einem Arbeitskollegen. Wie es sich gehört, grüße ich Ihn mit 'Guten Tag, Herr Kollege!' Komisch, denke ich. Er erwidert den Gruß nicht. Er schaut mich nicht mal an.
Sofort schießen mir die komischsten Gedanken durch den Kopf: Habe ich mich vorgestern falsch verhalten? Er versteht doch sonst so etwas. Oder sollte ich den Antrag wirklich schneller bearbeiten? Hat er wieder Krach mit seiner Frau? Hat er mich Übersehen?
Ach Quatsch! Bin ich jetzt richtig blöd? Es wurde aber auch Zeit, dass ich endlich mal wieder an die frische Luft komme. Ich spiele ja total verrückt.
Ich gehe einige Zeit weiter durch den Park. Die Sonne scheint und ich lasse mir den kalten Wind um die Nase blasen. Die Sonne scheint, aber der Wind ist kalt...? Ich ziehe den Reißverschluss meines Mantels bis oben zu. Im Auto sah alles da draußen so warm aus.
Ich setze mich etwas verwirrt auf eine Parkbank um mir ein wenig die Landschaft anzuschauen.
Beinahe hätte ich laut losgelacht. Mein Kollege läuft nämlich wieder an mir vorbei. "Hallo Herr Schmidt!" sage ich zu ihm. "S' ist ja doch ganz schön kalt geworden, nicht wahr?" Verdutzt guckt mich Herr Schmidt an: "Ja, es ist kalt. Man will es erst garnicht glauben. Aber ..." "Was, aber?" frage ich Ihn. Er starrt mich so seltsam an - als ob er mich nicht mehr erkennen würde. "...Aber man will es ja gar nicht glauben, wenn man die Sonne so strahlen sieht!" Lachend geht Herr Schmidt weiter, so, als ob nichts gewesen ist. Mit einem unguten Gefühl im Bauch lasse ich mich wieder auf die Parkbank nieder. Dieser klare, glasige Blick. Roch er nicht nach Rauch? Herr Schmidt? Der raucht doch sonst nie - im Gegenteil. Er ist der einzige, der sich aufregt und beim Abteilungsleiter beschwert, wenn einer raucht! Dann gibt es immer ein mords Theater. Rauchen ist ja verboten. Ich habe schon damit aufgehört ... aber was denke ich denn da. Bringt doch nichts. Sollte es jetzt schon so weit mit mir gekommen sein, dass ich am hellichten Tage Alpträume habe? Vielleicht sollte ich wieder mit dem Laufen anfangen, langsam steigern, um etwas für die Pumpe zu tun.
In Gedanken versunken gehe ich weiter. Ich schaue auf den Boden. Alter Schotter, vom letzten Regen noch mit Wasser vollgesaugt. Glänzend und dunkel liegt er da. Mitten im Matsch - und alle trampeln drauf rum. Absurd! Aus meinen wirren Gedanken geweckt werde ich von einer Ameise, die gerade ein Stück Holz schleppt. Ob sie mich aus meinen Gedanken gerissen hat, weiß ich nicht. Vielleicht ist es schlimmer geworden. Jedenfalls denke ich jetzt, ob ich der Ameise nicht helfen soll. Hier liegen doch lauter Tannennadeln rum. Ich könnte ihr beim Tragen helfen. Schatten legt sich über die Ameise.
Ein großer glänzender, schwarzer Klotz mit vielen Rundungen saust auf die Ameise nieder. Ob sie tot ist? Ich erschrecke mich, als der schwarze Klumpen in den Schotter stampft und einige Steinchen zur Seite wegschleudert. Erschrocken schaue ich auf. Plötzlich wird mir schwindelig - ich falle fast nach hinten um. Der Mann mit den schwarzen Lackschuhen fängt mich rechtzeitig auf. "Geht es Ihnen gut?" fragt er. Ich schaue nochmals in sein Gesicht. Nein. Das darf nicht wahr sein. "Schmidt?" "Ja?" "Warum haben sie vorhin nicht gegrüßt?" frage ich ihn. "Vorhin? Ich habe Sie noch nie gesehen. Wenn ich fragen darf, woher kennen Sie eigentlich meinen Namen?" Ich fasse es nicht. "Schmidt?" fragte ich nochmals. Doch bevor dieser Herr Schmidt etwas erwidern konnte, sagte ich "Es geht schon wieder." Schnell gehe ich weiter. Ich will so schnell wie möglich zum Auto zurück. Das ist ja nicht zum Aushalten. Ist Herr Schmidt etwa ein Marathonläufer oder warum taucht er so oft und so schnell immer wieder im Park auf? Warum tut er so, als ob er mich nicht kennt?
Ich bin ein wenig sauer auf Ihn. Ich gehe schnell. Vielleicht laufe ich auch, aber das ist mir jetzt egal. Ich bewege mich durch die vielen Wege, um alle Kurven und Ecken, ohne mir etwas von der Landschaft anzusehen. Schnell atmend setze ich mich auf eine Bank. Ich bin gleich am Parkplatz, aber ich komme mir irgendwie blöd vor so hechelnd durch den Park zu rennen. Sonntags!
Trüben Dunst puste ich aus meiner Lunge. Mir ist kalt. Ich bin geschwitzt und völlig ausgekühlt. Ich spüre, dass ich Kopfweh bekomme. Morgen bin ich krank, denke ich noch, als mich plötzlich jemand von der Seite anspricht. Ich schaue zur Seite.
Er sitzt neben mir auf der Parkbank. "Guten Tag, Herr Spachtel." sagt er. Ich schaue ihn mit großen Augen an. Ich kann es nicht glauben. Graue Haare, Halbglatze, ein etwas dicklicher untersetzter Körper, diese Brille - Nein. Das kann nicht sein! Ich springe auf, renne los. Beinahe falle ich über einen Mülleimer. Herr Schmidt ruft mir noch etwas hinterher: "Herr Spachtel! Jürgen! Bleib doch..." Mehr verstehe ich nicht. Eine alte Oma dreht sich empört um, als ich an ihr vorbei renne. Eine Mutter mit Kinderwagen erschrickt sich. Ich traue mich nicht. Ich will mich nicht umdrehen, ich will es nicht glauben.



Mögliche Folgen

Einige herzschwache Leute wären bei diesem Vorfall sicherlich zusammengebrochen, hätten sich weh getan, einige könnten sogar einem Herzschlag erliegen.

Es ist schon verblüffend, wie man Leute so verschrecken kann. Dabei ist klonen doch gar nicht gefährlich - man muss nur damit rechnen, dass man seinen Kollegen dreimal am Tag begegnet, aber nur einer von ihnen kennt einen selbst. Gar nicht gefährlich - sagen die Wissenschaftler!


Auslöser

Angefangen hat alles mit Dolly, einer hilflosen Frau mit komischem Akzent.
Ihre 'Klontochter' ist genetisch identisch mit mit ihrer Genmutter: Dicker Busen, rote Lippen, knappe Reizwäsche, dichtes Fell - und der dämliche Akzent.
Kein Wunder, dass nur noch einer der Embryologen lebt. Zwei der Wissenschaftler haben sich nämlich das Leben genommen, aus Verzweiflung, weil Dolly #1 und Dolly #2 immer so viel rumgesabbelt haben.


Das ist Klonen

Klonen ist ein komplizierter Vorgang. Erst werden der Genmutter Zellen entnommen. Diese werden mittels einer speziellen Nährsubstanz in die Lage versetzt, den Zusammenbau eines kompletten neuen Lebewesens zu steuern. Einem zweiten weiblichen Lebewesen werden Eizellen entnommen. Aus dieser werden per Invert-Spritzgussverfahren die Erbinformationen abgesaugt. Der Kern der speziellen Zellen von Mutter Eins werden nun mit den geleerten Eizellen in die Tiefziehanlage eingespannt und mit dem Tiefziehverfahren tiefgezogen.
Die so entstandene neue Zelle beginnt bald mit der Teilung und wird einer dritten Mutter in die Gebärmutter eingepflanzt.
Später kommt das völlig mit Mutter Eins identische Lebewesen zur Welt.


Neue Technologie

Ein neues, leiseres und teureres Verfahren ist das PVC (Precise Vehicle Cutting). Hierbei wird das zu klonende Lebewesen genau in der Mitte zersägt, auf ein Auto gespannt und nach drei Tagen in der Sonne kann man von dem Auto die nun verheiltet zwei Lebewesen nehmen. Alles was man dazu braucht, ist die genaue Gebrauchsanweisung des PVC-Verfahrens, einen Küchenmixer, eine alte Espressomaschine und ein großes Labor.
An der Universität Kassel sind den Professoren des Zweiges Wirtschaftswissenschaften erstaunliche Ergebnisse misslungen: Sie haben ein Hünerei geklont - gleich zwei Stück sind auf einen Schlag zusätzlich entstanden. Nun sind viele Hünerfarmer an diesem Verfahren interessiert, da man so mit mehr Geld mehr Eier produzieren kann. Doch die Professoren zögern. Man will dieses Verfahren erst patentieren, um ordentlich Kohle zu scheffeln.


Das Hühnerei (links) wurde mittels PVC geklont - Die drei Eier sind nicht voneinander zu unterscheiden. Die Duplikate (Mitte und rechts) können von normalen Hennen ausgebrütet werden oder sie landen als Frühstücksei auf dem Tisch:

Klonen per Precise Vehicle Cutting
Foto: unbekannt


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