Unter einer Mauerzinne, tief im Keller, lebte sie -
Gundula, die Kellerspinne, war ein ungewöhnlich schlaues Vieh.
Listig webte sie die Netze, fing Insekten darin ein.
Brachte somit die Befreiung von so mancher Mückenpein.
Jeder konnte sie gut leiden, wegen ihrer Nützlichkeit,
doch es sollte schlimmer kommen, in der kalten Jahreszeit.
Eines Morgens kommt die Gundel aus der Mauerfuge her,
sucht im Netz nach Leckerbissen, doch das Ding ist leider leer.
Hat etwa der Karl geräubert, der als Nachbar ihr bekannt,
oder gar die alte Lotte von der feuchten Kellerwand?
Spinnen haben kein Gewissen und so kam's wie's kommen muss,
Gundel eilte zu dem Nachbarn, gab ihn ihren Todeskuss.
Frisch befreit von Konkurrenz legt sich Gundel auf die Lauer,
lebt jetzt wie im schönsten Lenz, aber nicht von langer Dauer.
Riesengroß sind ihre Nöte, als sie durch den Keller schaut,
auf die alte dicke Kröte, die grad 'ihren' Fang verdaut.
Und so bleibt sie mit dem Hunger und der Wut im Bauch allein,
krabbelt mit den letzten Kräften in ihr Spinnenhaus hinein.
Und dort grübelt sie verbissen, "wo bekomm ich Nahrung her?"
Keine Fliegen, keine Mücken, einen Frosch, das ärgert sehr!
"Ob ich mal mit andrer Nahrung übern Winter kommen kann?"
"Fleischlos wie ein Vegetarier?" Iiiih - sie denkt nicht gern daran.
Doch der Hunger martert weiter, Gundula fasst den Beschluss,
dass sie in den nächsten Tagen halt Kartoffeln essen muss.
Gundel kriecht recht widerwillig, randgefüllt mit tiefstem Groll,
runter zur Kartoffelhorde, wo sie Knollen essen soll.
Langsam seilt sie sich am Faden, wie ein mutiger Pirat,
unter tausend bösen Flüchen auf die Gen-Kartoffeln ab.
Als das erste Stück im Magen, schüttelt sich der ganze Leib,
werden Gene übertragen, in das arme Spinnenweib.
In der Folge ihrer Mahlzeit ist die Gundel völlig satt
und bemerkt an ihrem Körper, dass der sich verändert hat.
Wo sie früher nie behaart, ziert sie jetzt ein Damenbart.
Auf dem Po und an den Haxen plötzlich rote Haare wachsen.
Abgerundet wird das Ganze mit 'ner langen Fühlerlanze,
die sie früher nie besessen; erst nach dem Kartoffelessen!
Hocherfreut wie eine Dame, der man neuen Schmuck geschenkt,
steht die Gundel vor dem Spiegel, hat sich fast den Hals verrenkt.
Voll berauscht von ihrer Schönheit, geht sie es noch einmal an,
die Kartoffeln aufzusuchen, die so Gutes angetan.
Mit der nächsten Gen-Aufnahme will sie noch was korrigieren,
des Gesichtes Altersfalten, die nun wirklich nicht grad zieren.
Eilig flitzt sie zu den Knollen, die genetisch hochverseucht,
neue Jugend bringen sollen, doch ab jetzt wird sie enttäuscht.
Statt im Aussehn etwas schicker, wird die Gundel immer dicker.
So kommt aus der Hilfs-Tarantel, durch genetisch derben Wandel,
eine neue Art ins Leben, die es bisher nie gegeben.
Ihre Falten sind gebannt, weil die Haut ganz mächtig spannt.
Zu der Größe ihres Körpers kriegt die Gundel auch noch Kraft,
hat zum Zweck der Wegersparnis Futter Richtung Bau geschafft.
Dort bereitet sie ein Lager in gewohnter Häuslichkeit,
leider wird es immer enger, denn der Hintern ist zu breit!
Ringsum stößt sie an die 'Möbel', schwierig wird's bei jedem Schritt,
letztens nahm sie mit dem Hintern ihre eigne Haustür mit.
In der Folge der Behaarung klappt es nicht mehr mit der Paarung.
Gundels Freund, der zu Besuch, brummte nur noch einen Fluch,
als er brünstig und erhitzt, sich in ihrem Fell verfitzt.
Und zum Ende der Geschichte bleibt die Gundel kinderlos.
Auch dem größten Spinnenmännchen ist die Dame noch zu groß.
Nicht zu dick und nicht zu dünne, muss das liebe Weibchen sein.
Denkt beim Essen an die Gundel - keine Gen-Kartoffeln - nein!