Alles nur Satire!
Iiiih - mach's tot!

 



Die Jagdgesellschaft


Hier bei uns, im wilden Osten, sitzt man gerne mal auf Posten.
Vierzig Jahre eingeübt, ist der Jagdsinn ungetrübt.
Ganz besonders bei den Alten ist der Jagdtrieb gut erhalten.
Und so muss fürs Sturmgewehr heute eine Flinte her.
Weder Russen noch Mongolen wollen uns das Fell versohlen,
heute steht man fest vereint gegen einen neuen Feind.

Dieser fleddert unsre Wälder, trampelt rücksichtslos durch Felder,
fegt in brünstiger Ekstase manches Auto von der Straße.
Schändet jede Obstplantage, bringt den Gartenfreund in Rage.
Sabotiert des Bauern Fleiß ganz besonders stark im Mais.
Jeder ahnt jetzt was ich meine - es geht um die wilden Schweine.
Sie sind hier der neue Feind, der die Bauernschaft vereint.

"Wenn die Schweine weiter nagen, sollten wir sie endlich jagen!",
sprach des Dorfes erster Mann, für die Tiere diesen Bann.
"Oder will noch jemand warten, bis verwüstet jeder Garten?"
"Was da wohl die Grünen sagen, wenn wir ihre Schweine jagen?",
hat der Siggi noch geplärrt. "Oooch, die werden eingesperrt!"
"Wozu gibt’s das Spritzenhaus?" - "Zu den Waffen, nix wie raus!"

Und dann griff sich jede Hand eine Büchse von der Wand.
Fernglas, Tabak, einen Spaten und paar alte Handgranaten.
Unsres Dorfes Trottel - Klaus - zog mit Pfeil und Bogen aus!
Mit dem Willi gab's noch Zoff, wegen der Kalaschnikow.
"Restbestand der Volksarmee, ruhte bisher sanft im See!"
Einer von den größten Deppen wollte Panzerminen schleppen!

In des Waldes feuchter Kuhle saß Herr Eber in der Suhle.
Ringsherum die Lieblingsbachen, und erzählte voller Lachen:
"Seht den bunten Jägerreigen, denen werden wir mal zeigen,
wer der Herr im Hause ist und zum Schluss die Ernte frisst!"
"Keinem wird es je gelingen einen von uns umzubringen!"
"Dafür gebe ich mein Wort, nun macht schnell, wir müssen fort!"
"Unsre Stärke ist die List, die dem Schwein zu eigen ist!"

Und so zog die Jägerbande Richtung Wald, zu dessen Rande,
wo der Hochsitz aufgebaut und man mit dem Fernglas schaut.
Bald schon stellte jemand fest: "Mensch, da ist ein ganzes Nest!"
"Dieses Nest nennt man hier Suhle, in des Waldes feuchter Kuhle!"
rief der Förster voller Zorn und posaunte in sein Horn.
Damit war die Jagd gestartet und ein reicher Fang erwartet.

Unsre lieben Jagdgenossen haben nun drauf los geschossen.
Hat sich was im Wald geregt, wurde darauf angelegt.
Und der Schießerei Ergebnis war für jeden ein Erlebnis:
- eine Elster und zwei Häher und vom Hochsitz einen Späher
und diverse Treiberbeine. Alles da - nur keine Schweine!
Aus dem Mais hört man die Bachen über diesen Unfug lachen.

Ein paar Kilometer weiter wird es plötzlich gar nicht heiter.
Dort sind Kugeln eingeschlagen, von den Herrn, die heute jagen.
Und so rief ein Posten prompt: "Großalarm, der Moslem kommt!"
Denn an unsres Waldes Rande lag von Scharping eine Bande.
Gut getarnt, mit teuren Waffen, sollten sie dort Frieden schaffen.
"Vorwärts!", brüllt der Kommandant, "Kämpft für unser Vaterland!"

Sofort hört man 'Leoparden', wie sie die Motoren starten.
Kampfbereit ist auch die Flak, Fallschirmjäger und die Pak.
Ohne Rücksicht auf das Geld rollen Panzer durch das Feld.
Dabei geht der Mais entzwei, die Kartoffeln sind nun Brei.
Laut hört man die Salven krachen, dazu leis der Eber lacht -
über diese dummen Schweine, die das Feld zur Sau gemacht.

Und dann greift der schlaue Eber zu der Schweinen größter List,
stellt sich auf die Hinterbeine, zeigt, das er zu treffen ist.
Einen Turban hat er auf, wütend schießen Panzer drauf.
Macht dazu 'ne lange Nase und ruft: "Bäh, ihr trefft mich nie!"
"Dazu seid ihr viel zu dämlich, dumm wie Müllers Federvieh!"
Und so steht er mit dem Rücken Richtung Dorf, im Hintergrund.
Dahin fliegen die Granaten, sorgen dort für Häuserschwund.

Nach 'ner Stunde Schießerei ist der ganze Spuk vorbei.
Unsre Jäger, voll Entsetzen, sieht man in die Wälder hetzen.
Sie sind heut noch auf der Flucht, werden immer noch gesucht.
Da, wo einst das Dorf gewesen, leben Schweine, wild und frei.
Tiefe Krater in der Ortschaft zeugen von der Ballerei.
Wieder zeigten uns die Tiere, dass die Menschen oftmals blind,
nicht die Herren hier im Hause, sondern dumme Schweine sind.


Idee & Text: Jürgen Menzel

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