Alles nur Satire!
Iiiih - mach's tot!

 



Der Boxkampf


Eine hässlich bunte Masse, eingehüllt in Tabakrauch
sitzt auf viel zu kleinen Bänken, stopft sich Fastfood in den Bauch.
Hier und da wird Schnaps getrunken und den Kämpfern zugewunken
Spannung steigt, wann geht's denn los? Wettgewinn ist heute groß!

Da, vom Richtertisch der Gong, plötzlich rappelt's im Karton.
Beiderseits die Fäuste fliegen um die Nasen zu verbiegen.
Heute Schulze gegen Meier. Rums aufs Auge, in die Eier.
Keiner hat mehr Überblick - Meier taumelt jetzt zurück.

Schwankend mit geschwoll'nem Kinn, wendet er sich Schulze hin.
Dieser fängt an gleicher Stelle eine ebensolche Kelle;
diesmal in den Magen rein, weil der Boxsport fair und fein.
Und im bunten Publikum fällt die erste Dame um.

Noch ein Hieb, der Gong tönt wieder, erste Daumen zeigen "Nieder"
und die schweißgehüllten Recken hocken in des Ringes Ecken,
wo ein Helfer sie erfrischt und der Trainer wütend zischt:
"Hau dem ander'n in die Fresse, dass er nicht mehr stehen kann,
denn nur so gibt's gute Presse und nun feste wieder ran!"

Gong ertönt zur zweiten Runde, Beißschutz sitzt noch nicht im Munde.
Meier hat den Schulz getroffen, dieser taumelt wie besoffen,
spuckt paar Zähne in die Seile und verteilt aufs neue Keile.
Schulze stellt ein Bein nach hinten, duckt den Körper, will sich winden;
findet sich auf allen Vieren, nach dem Tiefschlag in die Nieren.

Rache, sagt die Poesie, ist sehr süß, "doch fragt sich wie?" -
denkt der Schulz mit dumpfem Hirn. Rums ein Treffer auf die Stirn.
Unters Kinn der nächste Treffer; Meier fliegt mit vollem Pfeffer
gleich V 2 von ihrer Rampe, zu 'ner Runde um die Lampe.
Seine Flugbahn endet dann, dicht bei jenem schwarzen Mann,
der entscheidet wer heut siegt und vom Geld Prozente kriegt.

Meier bleibt am Boden liegen, sieht nur noch ein Handtuch fliegen.
"Hoch mit dir, du faule Sau!", schreit der Trainer grün und blau.
Haut zur Rechten und zur Linken, trifft dabei des Nachbars Zinken.
Zu des Publikums Erbauung, hört man laut die Stressverdauung,
die des Trainers Därme plagt und an der Gesundheit nagt.

Jetzt kommt Stimmung in den Saal, jemand denkt, er hat die Wahl
- nach zwei Runden Missgeschick, möchte er sein Geld zurück
- oder selber weiterhaun, und so bricht der Streit vom Zaun.
Hier und da ruft's "Polizei", doch die kommt nicht schnell herbei,
da sie schon an andrer Stelle, haut - auf Demonstrantenfelle.

Schirme, Flaschen, Kinderwagen, alles was so taugt zum Schlagen,
wird zur Abwehr eingesetzt, wobei mancher schwer verletzt.
Neben Boxer Schulzens Zähnen sich noch and're Beißer wähnen,
die im Anflug schwerer Tassen ihre Wurzeln schnell verlassen.
Riesengaudi, Riesenkrach, keiner gibt dem andern nach.

Als die Sanitäter gehen, "Grüne" plötzlich rundum stehen.
Dreißig Männer, Arm in Arm, ihre Knüppel sind noch warm
von den Demonstrantenfellen; ihre Helme haben Dellen.
Man beugt sich der Übermacht, wünscht sich höflich "Gute Nacht".

In des Tages Endergebnis, war es doch mal ein Erlebnis,
ohne Grenzen oder Schranken, frei von menschlichen Gedanken,
ohne Zeugen oder Bürgen, fremde Hälse abzuwürgen.
Und was hierbei alle eint, jeder ist des ander'n Feind.
So wie im realen Leben, sich die Menschen Haue geben.


Idee & Text: Jürgen Menzel

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