Alles nur Satire!
Iiiih - mach's tot!

 



Das Begräbnis


Wie es so im Leben kommt, kommt der Tod, und der kommt prompt.
Keiner kann dem Wicht entrinnen, mag er noch so listig sein,
unsern Chef, nach achtzig Jahren, holte seine Sense ein.
Lebenslang sein Widersacher, jahrelang hat er getrickst,
selbst die Spende eines Blinddarms hat ihm leider nichts genützt.

Doch nun lasst mich mal berichten von der Abfahrt in die Gruft,
von der Feier nach dem Friedhof und dem Kneiper, diesem Schuft.
Dieser Tag bleibt unvergessen, nicht nur weil der Meister starb,
sondern weil das Kneipenessen uns die Stimmung nicht verdarb.
Auch der Zwist der Trauergäste wurde dort zum offnen Krieg,
und wie's ist bei solchem Feste, jeder freut sich auf den Sieg.

Quietschend fuhr ein kleiner Wagen mit dem Meister obendrauf
aus der dunklen Dorfkapelle Richtung Gruft, doch ging's bergauf.
Vier der dürren Totengräber waren sichtlich schlecht bei Kraft
und so haben Trauergäste angepackt und mitgeschafft.
Unsres Meisters Lebensmotto - Pünktlichkeit und immer Fleiß -
kam das letzte mal zum Ausdruck in der Helfer Achselschweiß.

An dem Erdloch angekommen, waren wir noch arg benommen
von der ganzen Schinderei, doch zum Glück war Schnaps dabei.
Wie das ist, bei solchen Festen, kauft man dabei nur vom Besten,
der Geschmack hat und Prozente; richtig auf die Birne haut,
auch der Pfarrer nahm ihn freudig, so, als wär er selbst geklaut.

Die Kapelle spielte zügig, Zeit war knapp zum letzten Bus.
In der Ferne drohten Donner, Blitze und Gewitterguss.
Und so kam es, dass der Meister, schneller als im Protokoll,
mit Gepolter in der Grube letzte Ruhe finden soll.
Leider hat der Sarg vier Ecken, diese schrammten an der Wand,
so dass unser lieber Meister schräg die letzte Ruhe fand.

Wie es Brauch an solchen Tagen, läuft man schnell der Schänke zu,
mir war auch schon flau im Magen, denn der Schnaps gab keine Ruh.
An der Schänke angekommen, hungrig, durstig, abgehetzt,
hat 'ne Kaffeefahrt mit Rentnern vor uns jeden Platz besetzt.
"Hört mal zu, Ihr lieben Leute, heut ist Trauer angesagt!"
Und so haben wir die Bande erst mal aus dem Saal gejagt.

In der Eile dieser Räumung hat die Busfahrt unterdessen
eine freundlich alte Dame vor der Weiterfahrt vergessen.
"Macht doch nichts, dann bleib ich hier, traure mit, so bis halb vier!"
"Dann kommt ja der nächste Bus, den ich aber kriegen muss!"
Endlich konnten wir nun tafeln und von alten Zeiten schwafeln -
wenn das Wörtchen "wenn" nicht wär, dazu aber später mehr!

Hastig mussten Kellner laufen, um die Speisen breit zu tragen,
denn jetzt hieß es Fell versaufen, harte Arbeit für den Magen.
Neben mir, der Hempel Fritz, hatte Mühe auf dem Sitz.
Hielt das Tischtuch fest zur Hand, wehe, wenn der einmal stand!
Und dann kam, was kommen musste, Fritze stand auf einmal auf,
zog mit Tischtuch Richtung "Örtchen", hinter ihm Geschirr zu hauf.

Seiner Schwägerin Gerlinde fuhr die Wut ins Angesicht:
"Wenn der wiederkommt, der Dussel, mach ich ihm ein Standgericht!"
Listig lauert sie am "Örtchen" ihren Delinquenten auf,
doch der Fritz blieb lang verschollen, ging die Hintertreppe rauf.
Zu des Kneipers jüngster Tochter wollte Fritz ins Kämmerlein,
doch schon auf der halben Treppe schlief er selig grunzend ein.

Und im Saale Unterhand, war auch noch ein Streit entbrannt:
Ob die Balken in der Mitte wirklich baulich nötig sein
oder ob die Statik litte, risse man sie einfach ein.
Da nun fehlte guter Rat, schritt man einfach mal zur Tat.
Eine Axt war schnell besorgt, arglos von dem Wirt geborgt.

Bald schon schlug die erste Säule ins Parkett 'ne tiefe Beule.
Etwas Putz kam noch hernieder und danach sah man sich wieder.
Somit war es logisch schlüssig, dass die Balken überflüssig.
Als der dritte Balken lag, sah man dass der helle Tag
abgerückt in weite Ferne, denn durchs Dach sah man jetzt Sterne.
Auch die Wand der Balustrade war auf einmal nicht mehr gerade -
In der Folge fiel sie runter, mit dem Fritz, der wieder munter.

Wie der Wirt nun lauthals fluchte und die Balustrade suchte,
band man ihn dann kurzerhand an die Reste einer Wand.
Dort fand ihn nur Stunden später unsres Dorfes Feuerwehr,
bei der Räumung aller Trümmer, denn die Kneipe gibt's nicht mehr!
Wird bei uns im Dorf gefeiert, geht es immer hoch hinaus.
Große Feste, gut gesteuert, löschten manchen Ortsteil aus.

Unsres Ortes tiefster Dank gilt den Spenden unsrer Bank.
Auch der Firma Allianz dankt man neue Bausubstanz.
Beide sind nun leider pleite, keiner hat es überlebt,
dass der Ort, wenn er mal feiert, abbrennt, einstürzt oder bebt.
Und zum Ende liebe Leser, mir nur noch als Schlusswort bleibt,
ich bin hier der Bürgermeister, der den ganzen Unfug schreibt.


Idee & Text: Jürgen Menzel

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